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Über Synästhesie

Aus der Synästhesiearbeit unseres Co-Administrators Marc Jacques Mächler
http://www.synaesthesie.ch/daten/sjfarbeit.zip

Synästhesie ist eine Form von verknüpfter Wahrnehmung und spielt sich demnach im Gehirn ab. Es ist die Verknüpfung von verschiedenen Sinneswahrnehmungen. Dieses neurologische Phänomen rührt von einer erweiterten Sinnesverknüpfung im limbischen System her. Das Phänomen der Synästhesie äussert sich, indem zum Beispiel akustische Signale im Gehirn mit visueller Wahrnehmung gekoppelt werden können. Ein Synästhetiker ist demnach imstande, Geräusche oder Musik nicht nur akustisch wahrzunehmen, sondern sie auch bildlich dargestellt erleben zu können. Da sich diese Verknüpfung im Gehirn abspielt, ist die ganze Wahrnehmung auch auf den psychischen Teil zu begrenzen. Die zusätzlich visuelle Wahrnehmung eines Tons wird im Kopf erfahren, eine Art drittes Auge nimmt visuelle Aspekte wie Farben und Formen wahr. Eine solche synästhetische Wahrnehmungsverknüpfung kann auf verschiedenen Ebenen geschehen, so können zum Beispiel Gefühle oder Gerüche mit Farben und Musik mit Formen verbunden wahrgenommen werden. Im Zentrum steht eine Visualisierung von Sinneseindrücken.

Dieses Phänomen der Synästhesie ist in der heutigen Wissenschaft nur vage erforscht, doch bekommt sie mit der fortschreitenden Gehirnforschung und modernen Neurologie einen neuartigen Stellenwert zugesprochen. Es wird vermutet, dass die Fähigkeit einer solchen Sinnesverknüpfung genetisch vererbt werden kann. Auch sind Frauen häufiger davon betroffen als Männer. Auch über genaue Zahlen können bis jetzt nur erste Spekulationen angestellt werden, Forschungen haben ergeben, dass ungefähr eine von dreihundert Personen diese Fähigkeiten besitzt. Die vermuteten Verhältniszahlen sind zwischen 1:300 bis zu 1:3000 angesetzt. Doch unsere Untersuchungen zeigen, dass die Quote der Synästhetiker weit über diesen Zahlen liegt, d.h. dass es mehr Synästhetiker gibt, als man angenommen hat. Im Gymnasium Friedberg hat es eine Synästhesiequote von ca. 1:5 (siehe Schulhaustest). Nicht jeder Mensch, der Synästhesie hat, merkt auch, dass er ein Synästhetiker ist. Denn es kommt sehr oft vor, dass man die Synästhesie nur unbewusst wahrnimmt und deswegen fast ignoriert, oder sie für allgemein üblich hält. Erst bei einem aktiven Erleben der Synästhesie wird einem die ganze Farbenpracht klar. Es könnte also durchaus sein, dass auch Sie ein Synästhetiker sind, dies aber selber noch nicht gemerkt haben.

Die Synästhesie kann sich in verschiedenen Formen präsentieren, auch wird sie von den Personen verschieden wahrgenommen. Das Grundprinzip bleibt jedoch gleich. So können sich manche Synästhetiker, zum Teil auch unbewusst, grosse Zahlenkombinationen einfach einprägen, da sie die verschiedenen Zahlen mit einer entsprechenden Farbe in Verbindung bringen, was ein Auswendiglernen vereinfacht. Andere können einer Musik die entsprechende Tonart spielend leicht zuordnen, da sie die Musik in Farben und Formen wahrnehmen können und so eine gewisse Stimmung in der Musik, welche der Tonart entspricht, sofort erkennen können.

Man sieht also, dass das Feld der Synästhesie und besonders deren Wahrnehmung sehr breit gestreut ist und dennoch kann man in allen Bereichen Parallelen erkennen.

Die Synästhesie ist ein Wahrnehmungserleben der besonderen Art. Ein Synästhetiker darf sich glücklich schätzen, einen Wahrnehmungsbonus zu haben. Auch wenn die Synästhesie unter den Bereich ?neurologische Wissenschaft? gestellt wurde, ist sie im Wesentlichen ein intensiviertes Wahrnehmen der Umwelt und des Lebens. Synästhesie muss man bewusst wahrnehmen und geniessen. Nur so offenbart sie einem ihre wahre Bedeutung.

Text written by Florian Hälg & Marc Jacques Mächler (2003)