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Buchtipp

Halbsichtigkeit von Corinna John

   
 
Empfohlen von: coco
Zuletzt bearbeitet von: blau-weiss-orange
ISBN: 3833432152
Art: Science Fiction
Kategorie: Bücher von Synästhetikern
Leserwertung: Setzt neue Maßstäbe
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Ein Programm mit sieben-dimensionale Benutzeroberfläche ist gar nicht schwer zu schreiben, wenn man das neueste Neural-Interface verwenden kann. Verstörend sind nur die unberechenbaren Zugriffsfehler beim Schreiben in die Gedanken des Benutzers, aber im Normalfall gehen solche Systemabstürze ohne Folgeschäden vorüber. Als Hardware-Entwickler muss man auch mal Selbstversuche vertragen können.

Halbsichtigkeit verfolgt die letzte Entwicklungsphase eines neuralen Interface, das seinen Benutzern ein realistisches Panorama vors innere Auge projiziert und veralteten Kram wie Bildschirme überflüssig macht. Die sensationelle Neuerung: Die Simulation erweitert den Raum auf maximal sieben Dimensionen, in denen man sich mit etwas Übung frei bewegen kann.

Was als Arbeitserleichterung im Umgang mit extrem komplexen Daten gedacht war, entfaltet im Testbetreib so seine Nebenwirkungen. Als wäre das nicht genug, mach Lissa - die Erfinderin - auch noch Bekanntschaft mit einer unbekannten "Krankheit": Ihr neuer Kollege kann mit herkömmlichen neuralen Schnittstellen kaum arbeiten, hat aber die Hoffnung auf Verständnis oder Heilung längst aufgegeben. Die kaum erforschte Ursache ist eine angeborene Wahrnehmungsstörung: Vonek hat keine sekundäre Wahrnehmung, sie war einfach nie vorhanden. Natürlich macht Lissa sich sofort auf die Suche nach einer Möglichkeit, ihr neues Interface kompatibel zu machen, so dass auch ihr "halbsichtiger" Freund damit umgehen kann - und findet dabei einen zweiten Betroffenen, der sich jedoch längst über seine natürlichen Grenzen hinweggesetzt hat. Cle aus Neuseeland hat für Ärzte nur noch ein müdes Grinsen übrig und ist mit einem selbstgebauten Interface im Netz unterwegs, das ihn sogar schneller als alle gesunden Informatiker macht.
Was liegt näher, als eine Kombination beider Techniken? Da Cle auch ein paar nicht ganz legale Komponenten verbaut hat, möchte er als Erfinder nicht bekannt werden. Als Pseudonym für die Akten besorgt Lissa eine harmlose Praktikantin...

Der SynFiction-Roman nimmt seine Leser mit ins Gedankenlabor und lässt sie zwei Experimente gleichzeitig durchführen: Bin ich selbst auch halbsichtig, oder schmecke ich die Farben, nach denen die Klänge riechen? Und wie kann man mit einem auf 3D eingerichteten Bewusstsein noch vier Dimensionen mehr koordinieren?
Wie auch die bald erscheinende Fortsetzung 3D-Schock, ist es ein Spiel mit der Wahrnehmung, verpackt in einen utopischen Roman. Wie das Genre Science Fiction schon aussagt, steht die Technik einer grenzenlos digitalisierten Gesellschaft im Vordergrund, der Cyberspace wird aus Programmierer-Sicht auseinander genommen.

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